Kurzübersicht
- Die meisten Interviewfragen prüfen dieselben 5 Themen: Selbstpräsentation, Motivation, Stärken/Schwächen, Lebenslauf, Arbeitsstil/Ziele.
- Antworte nicht „schön“, sondern konkret: Aussage + Beispiel.
- Nutze die STAR-Methode (Situation, Task, Action, Result), um Beispiele klar und kurz zu erzählen.
- Übe interaktiv: Rollenspiel + Zeitlimit, Videoanalyse, Stress-Nachfragen.
- Für Spezialfragen brauchst du ein Gerüst: Gehaltsfrage, Stressfrage, Mini-Case.
- Bereite 8–10 Rückfragen vor, die Aufgaben, Erfolgskriterien, Team und Entwicklung abdecken.
Du brauchst keine perfekten Antworten, sondern klare Beispiele. Das ist der Unterschied zwischen „klingt nett“ und „bleibt hängen“.
Top 10 häufige Interviewfragen (die fast immer kommen)
Diese Fragen decken einen großen Teil der Realität ab. Wenn du darauf vorbereitet bist, hast du eine stabile Basis.
- „Erzählen Sie etwas über sich.“
- „Warum möchten Sie bei uns arbeiten?“
- „Was reizt Sie an dieser Position?“
- „Warum sollten wir Sie einstellen?“
- „Was sind Ihre wichtigsten Stärken?“
- „Was sind Ihre Schwächen?“
- „Gehen Sie bitte kurz durch Ihren Lebenslauf.“
- „Erzählen Sie von einem Projekt/Erfolg, auf den Sie stolz sind.“
- „Wie gehen Sie mit Konflikten im Team um?“
- „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“

Warum sich Interviewfragen so oft wiederholen
Vorstellungsgespräche sind selten ein Kreativ-Experiment. Für Unternehmen ist es eher ein Vergleichsformat: begrenzte Zeit, mehrere Kandidat:innen, am Ende muss eine Entscheidung her.
- Vergleichbarkeit: Gleiche Kernfragen machen Antworten besser einordbar.
- Risikominimierung: Neue Mitarbeitende kosten Geld und Zeit. Fragen prüfen typische Risiken: Passt die Person? Liefert sie zuverlässig? Wie reagiert sie unter Druck?
- Signal statt Selbstdarstellung: Gute Antworten sind nicht nur „nett“, sondern belegbar. Darum kommen Nachfragen wie „Was war Ihr Anteil konkret?“ so oft.
Interviewfragen wiederholen sich, weil sie dieselben drei Dinge prüfen: Können, Wollen, Passen.
STAR-Methode: einmal richtig (und danach nur noch anwenden)
Die STAR-Methode ist dein Werkzeug, um Antworten nicht wie Floskeln klingen zu lassen.
- S – Situation: Kontext in einem Satz.
- T – Task: Deine Aufgabe/Verantwortung.
- A – Action: Was du konkret getan hast.
- R – Result: Ergebnis (idealerweise messbar) + kurzer Lernpunkt.
Mini-Template (zum Kopieren):
„In [Situation] war meine Aufgabe [Task]. Ich habe [Action] gemacht, indem ich [1–2 konkrete Schritte]. Das Ergebnis war [Result] und ich habe gelernt/mitgenommen [Kurzschlussfolgerung].“
Antwort-Gerüste zum Kopieren (damit du nicht ins Stolpern kommst)
Manchmal weißt du inhaltlich genau, was du sagen willst und trotzdem klingt es im Gespräch holprig, weil dir der erste Satz fehlt. Diese Gerüste sind dafür da: Sie geben dir einen Startpunkt, damit du ruhig sprechen und dein Beispiel sauber zu Ende bringen kannst.
Wichtig: Bitte nicht auswendig lernen. Nimm dir pro Frage 3 Stichworte und erzähl es dann in deinen Worten. Das wirkt natürlicher und passt besser zum Gespräch.
Mini-Regel :
Aussage → Beispiel → Ergebnis. Wenn diese drei Teile drin sind, bist du fast immer auf Kurs.
1) Motivation („Warum diese Stelle / warum wir?“)
Worum es geht: Du zeigst, dass du die Rolle verstanden hast und nicht „irgendeinen Job“ suchst.
„Mich reizt an der Rolle vor allem [Aufgabe/Schwerpunkt aus der Anzeige]. Das passt zu mir, weil ich in [Erfahrung/Projekt] schon [relevante Tätigkeit] gemacht habe. Und bei Ihnen finde ich besonders [Unternehmensbezug: Produkt/Branche/Thema] spannend. Deshalb ist das für mich der nächste logische Schritt.“
Wenn du noch einen Satz willst, nimm: „Das Ergebnis/der Effekt war …“ (damit es nicht nach Meinung klingt, sondern nach Erfahrung).
2) Stärke („Was sind Ihre wichtigsten Stärken?“)
Worum es geht: Nicht „ich bin teamfähig“, sondern: Woran merkt man das konkret?
„Eine Stärke von mir ist [Stärke]. Das hat man zum Beispiel gesehen, als ich in [Situation] [konkrete Aktion] gemacht habe. Das Ergebnis war [Result].“
3) Schwäche („Was sind Ihre Schwächen?“)
Worum es geht: Ehrlich, aber nicht selbstzerstörerisch. Du zeigst, dass du dich reflektierst und daran arbeitest.
„Ich merke, dass ich bei [Schwäche] früher manchmal [typischer Effekt] hatte. Ich arbeite daran, indem ich [konkrete Maßnahme/Routine]. In letzter Zeit hat das dazu geführt, dass [kurzer Fortschritt].“
Mini-Regel: Schwäche + Umgang damit wirkt stärker als „Schwäche + Rechtfertigung“.
4) Gehalt („Was sind Ihre Gehaltsvorstellungen?“)
Worum es geht: Klar bleiben, ohne dich zu früh festnageln zu lassen.
„Auf Basis meiner Erfahrung und der Verantwortung sehe ich mich in einer Spanne von [X] bis [Y]. Entscheidend ist für mich das Gesamtpaket. Wie ist die Rolle bei Ihnen eingruppiert und welche Bestandteile gehören dazu?“
5) Konflikt („Wie gehen Sie mit Konflikten um?“)
Worum es geht: Niemand erwartet „nie Konflikte“. Erwartet wird: ruhig bleiben, klären, lösen.
„Ich kläre zuerst die Perspektiven und Fakten, bevor ich bewerte. Dann mache ich einen Vorschlag, der die Zusammenarbeit wieder möglich macht. Ein Beispiel: In [Situation] habe ich [Action]. Dadurch [Result].“
Beispiel-Bibliothek: 5 Situationen, die du fast immer verwenden kannst
Viele Menschen bereiten sich auf Interviews vor, indem sie Antworten im Kopf „schön formulieren“. Das hilft nur begrenzt, weil im Gespräch oft eine Rückfrage kommt wie: „Und was war Ihr Anteil konkret?“ Genau deshalb ist eine kleine Beispiel-Bibliothek so hilfreich.
Wenn du zu diesen fünf Situationen je ein kurzes STAR-Beispiel parat hast, kannst du 80–90% der typischen Fragen abdecken, ohne jedes Mal neu zu improvisieren.
Die 5 Situationen
- Erfolg / Verbesserung (etwas wurde messbar besser)
- Fehler / Lernen (nicht dramatisch, aber ehrlich)
- Konflikt / Missverständnis (Team-Reibung)
- Stress / Deadline (Druck von außen)
- Initiative / Ownership (du hast etwas angestoßen)
So wählst du die richtigen Beispiele aus
- Nimm Situationen aus dem letzten oder vorletzten Job, die du ruhig erzählen kannst.
- Wähle Beispiele, die zur Stelle passen (z. B. Kundenkontakt, Prozesse, Teamarbeit).
- Halte dich kurz: 1 Satz Situation, 1 Satz Aufgabe, 1–2 Sätze Aktion, 1 Satz Ergebnis.
Ein gutes Beispiel hat immer deinen Anteil drin. Nicht „wir haben“, sondern: „Ich habe …“
Das sind Anregungen, keine Schablonen. Die beste Story ist die, die zur Rolle passt und die du authentisch erzählen kannst.
Die 5 Fragefelder, die fast immer kommen
1) Selbstpräsentation: „Erzählen Sie etwas über sich.“
Logik: aktueller Stand → wichtigste Stationen → relevanter Skill → Brücke zur Stelle.
Merksatz: „Ein Satz Gegenwart, ein Satz Vergangenheit, ein Satz Brücke zur Stelle.“
Das hilft dir, bei der Selbstpräsentation nicht abzuschweifen: Starte mit deinem aktuellen Stand, nenne 1–2 relevante Stationen und schließe mit einem Satz, warum diese Rolle für dich jetzt der nächste Schritt ist.
Mini-Beispiel: „Ich komme aus [Bereich] und habe in den letzten [X] Jahren vor allem [Aufgabe/Skill] gemacht. Dabei habe ich gelernt, [Stärke/Arbeitsweise]. An Ihrer Rolle reizt mich besonders [Aufgabe], weil ich das aus [Erfahrung] kenne und gern weiter ausbauen möchte.“
2) Motivation & Passung: „Warum möchten Sie bei uns arbeiten?“
Hier geht es weniger um „die perfekte Begründung“ und mehr darum, ob du bewusst gewählt hast: Rolle, Team, Unternehmen. Das Gerüst dafür findest du oben bei den Antwort-Gerüsten (Motivation). An dieser Stelle geht’s vor allem darum, womit du es füllst.
Worauf Arbeitgeber achten:
- Hast du verstanden, was die Rolle wirklich ausmacht (nicht nur der Titel)?
- Kannst du 1–2 Punkte nennen, die nur auf dieses Unternehmen passen (nicht auf jedes x-beliebige)?
Typische Stolperfalle:
„Ich suche eine neue Herausforderung“ klingt nett, sagt aber nichts. Besser ist ein konkreter Bezug: Aufgabe aus der Ausschreibung + ein echter Anknüpfungspunkt aus deinem Profil.
30 Sekunden vor dem Gespräch:
Notier dir 3 Stichworte: (1) Rolle: 2 Aufgaben, (2) Company: 1 Thema, (3) Du: 1 Beispiel. Damit klingt deine Motivation automatisch spezifischer.
3) Stärken/Schwächen: „Was sind Ihre wichtigsten Stärken?“ / „Was sind Ihre Schwächen?“
Die Satzstarter dazu stehen schon bei den Antwort-Gerüsten (Stärke/Schwäche). Damit wir hier nicht doppelt erklären, kommt hier das, was im Gespräch den Unterschied macht: Auswahl + Wirkung.
Stärken: lieber 2 starke als 4 beliebige
Wähle Stärken, die zur Stelle passen, und belege sie mit einem kurzen Beispiel. Das Ziel ist nicht „beeindrucken“, sondern glaubwürdig sein.
Schwächen: klein, echt, nicht jobkritisch
Eine gute Schwäche ist eine, die du benennen kannst, ohne dich rauszukegeln. Entscheidend ist der zweite Teil: Wie gehst du heute damit um?
Typische Stolperfallen:
- „Ich habe keine Schwächen“ (wirkt unrealistisch).
- „Ich bin Perfektionist“ ohne konkretes Verhalten (wirkt wie Ausweichantwort).
- Schwäche nennen, die den Job direkt trifft (z. B. „Ich hasse Zahlen“ bei Controlling).
4) Lebenslauf & Entscheidungen: „Gehen Sie bitte kurz durch Ihren Lebenslauf.“
Logik: roter Faden statt Aufzählung. Entscheidung erklären: „Warum“, „was gelernt“, „was jetzt“.
Bei Lücken/Wechseln: ehrlich, aber konstruktiv: „Was habe ich mitgenommen, was bringe ich jetzt mit?“
5) Team, Konflikte, Ziele: „Wie arbeiten Sie im Team?“ / „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“
5 Jahre: realistisch, zur Firma passend (Spezialisierung, Projektverantwortung, fachliche Tiefe).
Damit du hier nicht improvisieren musst: Überlege dir vorab 3 Situationen aus deinem letzten oder vorletzten Job:
- etwas, das gut gelaufen ist
- etwas, das schwierig war
- eine kritische Team-Situation (Missverständnis/Konflikt)
Viele antworten bei Konflikten reflexhaft: „Nein, hatte ich nicht.“ Das wirkt oft unrealistisch. Besser ist: eine echte Szene und zeigen, wie du sie gelöst hast.
Merksatz: „Kein Drama, sondern: kurz klären, Lösung absprechen, Ergebnis nennen.“
Bei Konfliktfragen geht es nicht darum, dass du „nie Probleme“ hattest. Es reicht, wenn klar wird: Du bist ruhig geblieben, hast das Gespräch gesucht und am Ende war wieder Zusammenarbeit möglich.
Beispiel (aus dem Coaching, anonymisiert): „Wie sind Sie mit Ihren Kolleg:innen klargekommen?“ / „Gab es mal einen Konflikt?“
Eine unserer Klientinnen, Lisa (Name geändert), hat das im Coaching so beschrieben:
„Grundsätzlich komme ich im Team gut klar. Trotzdem gab es mal einen Konflikt. Ich wurde als Assistant Manager eingestellt und eine Kollegin, die schon länger dort war, hatte offenbar den Eindruck, ich wolle ihr die Position streitig machen. Ich hatte das Gefühl: Egal wie nett ich war oder wie gut ich meine Aufgaben gemacht habe, ich kam nicht richtig an sie ran, weil sie sich schon früh eine Meinung über mich gebildet hatte.
Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich etwas tun muss, um die Stimmung zu drehen. An einem Tag habe ich ihr ganz ehrlich ein Kompliment gemacht, dass ich ihren Rock richtig schön finde. Das war ein kleiner Moment von Wertschätzung, der das Eis gebrochen hat. Ab da war sie offener.
Danach habe ich die Gelegenheit genutzt und ruhig klargestellt, wie ich meine Rolle sehe: nicht als Konkurrenz, sondern als Unterstützung. Mit der Zeit wurde die Zusammenarbeit deutlich entspannter.“
Wichtig: Das ist keine „Anleitung“, sondern eine Anregung aus einer echten Geschichte. Was in Situation A funktioniert, kann in Situation B anders wirken. Lies den Raum, die Person und die Kultur.
Die 3 Spezialfragen: Gehalt, Stress, Mini-Case
1) Gehaltsfrage: „Was sind Ihre Gehaltsvorstellungen?“
Ziel: souverän bleiben, nicht zu früh festnageln lassen.
Kurzformel: Range + Begründung + Rückfrage.
„Ich sehe mich in einer Spanne von X bis Y, abhängig von Verantwortung und Gesamtpaket. Wie ist die Rolle bei Ihnen eingruppiert und welche Bestandteile gehören dazu?“
2) Stressfragen: Vorbereitung (COOL-Prinzip)
Stressfragen lassen sich gut meistern, wenn klar ist, was dahintersteckt und du dir vorher ein Antwortmuster zurechtlegst. Ziel ist nicht die perfekte Antwort, sondern souverän und ruhig zu bleiben. Eine Übersicht typischer Stressfragen und Reaktionsmuster findest du bei StepStone.
Was Stressfragen wirklich testen: Umgang mit Druck, Provokation oder Kritik (nicht „fertig machen“). JobTeaser ordnet Stressinterviews praxisnah ein.
COOL:
- C – Calm: kurz innehalten, atmen, Blickkontakt.
- O – Objective: sachlich bleiben („Was testet man hier?“).
- O – Open: dosiert ehrlich (Wahrheit + Lernpunkt).
- L – Link: Brücke zur Stelle („Heute mache ich X, das hilft mir, weil…“).
Dazu passende Einordnungen findest du auch bei Workwise.
Vorbereitung zu Hause: Liste 5–10 kritische Punkte (Lücken, Wechsel, lange Studiendauer) und formuliere je eine ruhige Erklärung. Beispiele: Ingenieur.de und Absolventa.
3) Mini-Case / Aufgabe: „Wie würden Sie X lösen?“
Case-Fragen kommen nicht nur in Beratung vor. Oft geht es um Struktur: Ziele klären, Annahmen prüfen, Empfehlung geben.
5-Schritte-Flow:
- Ziel klären 2) Rahmenfragen 3) Vorgehen strukturieren 4) Annahmen/Analyse 5) Empfehlung + nächste Schritte
Mini-Case zum Üben:
„Unsere Kundenzufriedenheit sinkt, obwohl die Produktqualität gleich geblieben ist. Was würden Sie tun?“
Muster-Struktur:
- Ziel klären (welche Kennzahl? seit wann?)
- Hypothesen (Service, Lieferzeiten, Kommunikation, Erwartungsmanagement)
- Daten (Tickets, Lieferdauer, Feedbacktexte)
- Maßnahmen priorisieren (Quick Wins + Ursachenanalyse)
- Empfehlung (2–3 Schritte, Zeitplan, Erfolgsmessung)
Interaktive Übungen zur Interviewvorbereitung (ohne Coach machbar)
Theorie ist nett, aber Sicherheit entsteht, wenn du deine Antworten laut sagst, siehst, wie du wirkst, und lernst, mit Nachfragen ruhig umzugehen. Du brauchst dafür keinen Coach, nur eine einfache Routine.
Ein realistischer Trainingsrhythmus: wie oft und wie lange?
Wenn du wenig Zeit hast, reichen schon drei kurze Einheiten: jeweils 20–30 Minuten an drei Tagen. Wenn du mehr Luft hast, mach das Ganze 1–2 Wochen lang, zwei- bis dreimal pro Woche. Wichtig ist nicht die Dauer, sondern dass du regelmäßig laut übst, statt nur im Kopf.
1) Sprechen: Mini-Rollenspiel mit Zeitlimit
Wähle zehn typische Fragen und beantworte sie laut. Gib dir pro Frage etwa zwei Minuten. Danach machst du kurz Pause und fragst dich nur zwei Dinge: War ein Beispiel drin? War ich auf den Punkt?
Das Ziel ist nicht, perfekte Texte auswendig zu lernen, sondern eine stabile Routine zu bekommen, damit du im Gespräch nicht erst „warm werden“ musst.
2) Anschauen: Videoanalyse in klein
Nimm drei bis fünf Antworten mit dem Handy auf. Schau sie dir einmal an, ohne dich zu verurteilen (ja, das ist für Menschen schwer). Beim zweiten Durchlauf notierst du nur drei Punkte: Tempo/Pausen, Füllwörter, Blick und Haltung. Mehr nicht.
Du brauchst kein Schauspieltraining. Es reicht, wenn du merkst: Spreche ich zu schnell? Verliere ich mich? Wirke ich ruhig?
Eine gute praktische Übersicht zu Online-Interviews gibt es bei Indeed.
3) Nachschärfen: Stress-Nachfragen üben
Bitte jemanden, nach jeder Antwort einmal nachzuhaken, zum Beispiel mit: „Was war Ihr Anteil konkret?“, „Warum haben Sie das so entschieden?“ oder „Was würden Sie heute anders machen?“
Diese Übung ist Gold wert, weil sie genau das simuliert, was im echten Interview passiert: du hast eine Antwort gegeben und dann kommt die Rückfrage. Ziel ist, kurz nachzudenken, ruhig zu bleiben und bei Fakten zu bleiben.
Woran du merkst, dass du Fortschritte machst
Du erkennst Fortschritt nicht daran, dass du „cool“ klingst, sondern daran, dass du schneller in deine Struktur findest: Du brauchst weniger Anlauf, deine Beispiele werden kürzer und klarer, und du kannst auf Nachfragen reagieren, ohne innerlich zu paniken.
Rückfragen, die dich kompetent wirken lassen (und dir selbst helfen)
Rückfragen sind nicht der „Nettigkeits-Teil“ am Ende, sondern dein Moment, um zwei Dinge zu zeigen: Interesse und Orientierung. Und ganz egoistisch: Du bekommst Infos, ob das Team, die Rolle und die Erwartungen wirklich zu dir passen.
Damit es nicht nach „Fragenliste aus dem Internet“ klingt, wähle lieber 6–8 gute Fragen statt 12 mittelmäßige.
So wählst du schnell die passenden Rückfragen aus
- 2 Fragen zu Aufgaben & Prioritäten
- 2 Fragen zu Erfolgskriterien & Erwartungen
- 1–2 Fragen zu Team & Zusammenarbeit
- 1 Frage zu Einarbeitung/Feedback
- 1 Frage zu Entwicklung (wenn dir das wichtig ist)
Gute Rückfragen zeigen, dass du wirklich verstehen willst, was Erfolg in der Rolle bedeutet, nicht nur, was für dich dabei rausspringt.
Beispiele (zum Kombinieren)
Aufgaben & Prioritäten
- „Welche Aufgaben stehen in den ersten 3–6 Monaten im Vordergrund?“
- „Welche Themen sind aktuell am dringendsten und warum?“
Erfolgskriterien & Erwartungen
- „Woran würden Sie nach einem Jahr erkennen, dass ich in der Position erfolgreich bin?“
- „Welche Erwartungen haben Sie an die Person in den ersten 6–12 Monaten?“
Team & Zusammenarbeit
- „Wie ist das Team aufgebaut, mit dem ich zusammenarbeiten würde?“
- „Wie würden Sie die Zusammenarbeit im Team beschreiben, gerade wenn es stressig wird?“
Einarbeitung & Feedback
- „Wie sieht die Einarbeitung typischerweise aus?“
- „Wie läuft Feedback bei Ihnen ab: eher spontan oder über feste Gespräche?“
Entwicklung
- „Welche fachlichen Entwicklungsmöglichkeiten gibt es in dieser Rolle?“
Prozess & Abschluss
- „Wie sehen die nächsten Schritte aus und bis wann kann ich mit einer Rückmeldung rechnen?“
Online-Interview-Setup: 5 Minuten vor dem Termin
- Kamera auf Augenhöhe, Licht von vorn, Ton testen (Kopfhörer hilft).
- Ruhiger Hintergrund oder neutraler Hintergrund.
- Notizen: 3 Stichworte zu Motivation, 3 STAR-Beispiele, 5 Rückfragen.
- Backup: Handy-Hotspot + Telefonnummer bereithalten.
„Typisch ungewöhnliche“ Fragen: Was dahinter steckt und wie du souverän antwortest
Ungewöhnliche Fragen prüfen oft Selbstreflexion, Denken unter Unsicherheit und Stress-Resistenz. Eine Sammlung typischer Beispiele findest du bei Karriere.de.
Antwortstrategie: Kurz sortieren → antworten → Brücke zur Rolle → Mini-Beispiel.
Beispiel: „Was wäre der Titel Ihrer Autobiografie?“
Diese Frage klingt erstmal nach Smalltalk, ist aber meistens ein Test auf drei Dinge: Selbstbild, Prioritäten und Kommunikationsfähigkeit. Es geht nicht darum, den kreativsten Titel zu finden, sondern darum, ob du dich kurz, positiv und jobnah ausdrücken kannst.
So kannst du antworten:
- Titel nennen (kurz, positiv, nicht übertrieben),
- in einem Satz erklären, warum,
- Brücke zur Stelle schlagen,
- Mini-Beispiel (1 Satz, damit’s greifbar wird).
Musterantwort (neutral und jobnah):
„Ich würde sie wahrscheinlich ‚Klarheit im Chaos‘ nennen. Weil ich gern Ordnung in komplexe Situationen bringe, ohne dass dabei die Menschen verloren gehen. Das hilft mir auch in dieser Rolle, weil ich schnell priorisieren und sauber kommunizieren kann. In meinem letzten Job habe ich zum Beispiel ein chaotisches Übergabe-System strukturiert, sodass das Team weniger Rückfragen hatte und Aufgaben schneller abgeschlossen wurden.“
Warum das gut funktioniert: Der Titel ist positiv, ohne aufgesetzt zu wirken. Du zeigst eine konkrete Wirkung statt nur etwas zu behaupten und du führst die Antwort sofort zurück zur Rolle.
Abgrenzung: Ungewöhnlich vs. unzulässig
Unzulässige Themen (Privatsphäre, Religion, Familienplanung, Krankheiten) sind eine andere Kategorie. Überblick: StepStone und Einordnung/Tipps bei ZDFheute.
Lies den Raum, die Person und die Kultur. Wenn eine Frage seltsam wirkt, frag kurz nach dem Kontext: „Meinen Sie eher Arbeitsstil oder Motivation?“
Häufig gestellte Fragen zu Fragen im Bewerbungsgespräch
Wie viel Zeit brauche ich zur Vorbereitung?
Wenn du mehrere Tage hast: super. Wenn du nur 48 Stunden hast: fokussiere dich auf Selbstpräsentation, Motivation, 3 STAR-Beispiele und 6–8 Rückfragen. Das reicht, um souverän zu wirken.
Wie lang sollten meine Antworten sein?
Als Faustregel: 60–90 Sekunden für die meisten Fragen. Bei Beispielen (STAR) darf es bis 2 Minuten sein, wenn du wirklich auf den Punkt bleibst.
Was mache ich, wenn mir keine Antwort einfällt?
Sag kurz: „Gute Frage, ich denke einen Moment nach.“ Dann strukturiere laut: „Ich würde das so beantworten: erst … dann …“. Das wirkt ruhiger als hektisches Reden.
Wie viele STAR-Beispiele sollte ich parat haben?
Mindestens 5, die du flexibel einsetzen kannst: Erfolg, Fehler/Lernen, Konflikt, Stress/Deadline, Initiative. Damit kannst du sehr viele Fragen abdecken.
Wie vermeide ich, dass Antworten auswendig klingen?
Übe mit Stichworten, nicht mit fertigen Sätzen. Wenn du beim Üben jedes Mal denselben Wortlaut hörst, wirkt es später im Gespräch „abgespult“
Was sage ich bei Lücken oder häufigen Jobwechseln?
Kurz, ehrlich, konstruktiv: Was war der Grund, was hast du gelernt, warum passt die nächste Rolle trotzdem gut? Kein Rechtfertigungsroman, sondern ein klarer roter Faden
Wie gehe ich mit Stressfragen um?
Ziel ist nicht die perfekte Antwort, sondern ruhig zu bleiben. Hilft: kurz innehalten, sachlich bleiben, dosiert ehrlich antworten und am Ende den Bogen zur Rolle schlagen (COOL-Prinzip im Artikel).
Was mache ich bei einer unzulässigen Frage (z. B. Familienplanung, Religion, Gesundheit)?
Bleib freundlich und lenke zurück: „Das hat für die Stelle keinen direkten Bezug. Ich kann Ihnen aber gern sagen, wie ich meine Arbeitsweise organisiere…“. Du musst Privates nicht ausbreiten
Wie bereite ich mich auf ein Online-Interview vor?
Teste Kamera und Ton, sorge für Licht von vorn und leg dir 3 Stichworte bereit: Motivation, 3 Beispiele, Rückfragen. Wichtig: Plan B (Hotspot/Telefonnummer) parat haben
Wie lange vorher sollte ich mit dem Üben anfangen?
Ideal: 1–2 Wochen vorher, zwei- bis dreimal pro Woche. Aber selbst drei kurze Einheiten (20–30 Minuten) bringen schon spürbar mehr Sicherheit, wenn du laut übst.
Was du jetzt tun kannst
Vorstellungsgespräche fühlen sich manchmal an wie ein Test, den man bestehen muss. In Wirklichkeit ist es eher ein Gespräch, in dem zwei Seiten herausfinden: Passt das zusammen?
Wenn du dir die häufigsten Fragen einmal sauber vorbereitet hast, passiert etwas ziemlich Erleichterndes: Du musst nicht mehr „performen“, sondern kannst dich auf das konzentrieren, was wirklich zählt: klar erzählen, was du kannst, und ob du dich in der Rolle wiederfindest.
Der nächste Schritt muss nicht groß sein. Er muss nur deiner sein.
Zum Üben:
Notiere dir heute 5 Situationen aus deinem letzten oder vorletzten Job (Erfolg, Fehler/Lernen, Konflikt, Stress, Initiative) und schreib pro Situation nur drei Stichworte auf: Situation – dein Anteil – Ergebnis. Das ist die schnellste Vorbereitung, die sich im Gespräch wirklich auszahlt.




